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Neues von der Tauschtreff-Front
07.01.2009 15:31 ( 3410 x gelesen )

Das bargeldlose Tauschen wird immer beliebter

Aus einem TA-Artikel



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Das bargeldlose Tauschen bietet eine Alternative zur Geldwirtschaft. In Zürich‘ wird es immer beliebter.
 
Von Ralph Hofbauer
 
In Tauschkreisen wäscht eine Hand die andere. Sprachunterricht wird gegen Babysitting getauscht, Steuererklärungen werden mit Gartenarbeit abgegolten und Haarschnitte mit Massagen vergütet. Ihre Wurzeln hat die Bewegung in den frühen 8oer-Jahren: Als der Brite Michael Linton in der Thatcher-Ara arbeitslos wurde, entwickelte er die Idee eines Tauschkreises, der Armen die Möglichkeit geben sollte, Dienstleistungen auszutauschen. 1983 verwirklichte Linton in Kanada das erste Local Exchange Trading System (LETS), das schnell überall Nachahmer fand.
 
Seit acht Jahren gibt es auch in Zürich einen LETS-Ableger. Er wurde von den Kirchgemeinden der Kreise 7 und 8 gegründet und zählt heute rund 70 Mitglieder. Abgerechnet werden die Dienstleistungen in der Tauschwährung Lets, wobei ein Lets einer Arbeitszeit von 15 Minuten entspricht. Ob Wohnungsputz oder Web- design, im LETS-Tauscbkreis ist jede Dienstleistung gleichwertig: «In unserer Gesellschaft wird Leistung vor allem über den Lohn definiert. Bei LETS hingegen ist jeder Mensch gleich viel wert», sagt Susan Rothen, Leiterin von LETS Zürich.
Kommuniziert werden die Angebote und Gesuche über eine Webseite. Zudem trifft sich der Verein alle zwei Monate im Kirchgemeindehaus Hottingen, wo getauscht und Freundschaften geknüpft werden. Es sind vor allem Senioren aus dem Quartier, die hier zusammenkommen. Rothen bedauert, dass im Tauschzirkel kaum jüngere Leute verkehren.
 
Sozialfälle und Akademiker
Bei Tauschen am Fluss mangelt es dagegen nicht an Nachwuchs. Viele junge Familien verkehren im GZ Wipkingen, dem Treff- und Angelpunkt des Tauschkreises im Kreis 10. Das Durchschnittsalter der 140 Mitglieder des Vereins liegt unter 50 Jahren, die Mischung an Leuten ist bunt: «Bei uns treffen Menschen aufeinander, die sich sonst nie begegnen würden. Die Palette reicht von Sozialfällen bis hin zu Akademikern», sagt Leiterin Ursula Marx. Auch bei Tauschen am Fluss ersetzt die Währung «Zeit» das Bargeld. Die Arbeitsstunden der Tauschkreis-Mitglieder werden seit kurzem mittels einer Open-Source-Software abgerechnet, was die Administration der Tauschgeschäfte enorm vereinfacht hat. Marx ist zuversichtlich, dass der 2006 gegründete Verein weiter wachsen wird: «Tauschkreise schiessen zurzeit wie Pilze aus dem Boden, und auch wir haben einen grossen Zulauf.»
 
Gegen das Anhäufen
Der älteste Tauschring der Schweiz heisst Talent, ein Verein der 1993 gegründet wurde und heute über 250 Mitglieder zählt. Während bei den meisten Tauchzirkein die soziale Praxis im Vordergrund steht, hat Talent eine wirtschaftstheoretisch fundierte Botschaft. Basierend auf den Ideen des Freiwirtschafters Silvio Gesell, will Talent auf die Problematik des herrschenden Geldsystems aufmerksam machen: «Schuld an der ungerechten Wohlstandsverteilung sind die Zinsen», ist Talent-Sekretär Rainer Rieder überzeugt. Die zinsfreie Komplementärwährung Talent soll den Spiess umdrehen:
Von Talent-Konten, deren Saldo im positiven Bereich liegt, wird pro Monat ein halbes Prozent abgezogen. Diese Umlaufsicherung verhindert, dass die Mitglieder des Tauschrings ihre Talente anhäufen.
Ganz ohne Tauschwährung kommt die Plattform work4work.ch aus. «Ich wollte keine weitere Tauschwährung schaffen», sagt Iwan Weidmann, der seine Website im Herbst 2007 lanciert hat. «Mein Ziel war es, eine unkomplizierte Plattform zur Verfügung zu stellen, auf der zwei Parteien ein faires Gegengeschäft aushandeln.» Mittlerweile stehen bis zu 5oo Inserate auf der Website. Von Radiästhesie bis hin zu Mitfahrgelegenheiten, alles Mögliche wird gesucht und angeboten. In Zürich, wo die Hortplätze knapp sind, ist die Nachfrage nach Möglichkeiten für die Kinderbetreuung besonders gross.
Trotz der Vielzahl an Plattformen sehen sich die Tauschkreise nicht als Konkurrenz: «Wir haben schon über einen Zusammenschluss mit anderen Kreisen nachgedacht», sagt Susan Rothen.
 
 
 
 


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