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Senkung der Sozialhilfekosten
21.11.2012 12:47 ( 2664 x gelesen )

Ausgesteuerte nicht mehr sich selbst überlassen

Senkung der Sozialhilfekosten
 
Ausgesteuerte nicht mehr sich selbst überlassen
 
Anstehen zwecklos: Ausgesteuerte mit Ersparnissen kommen weder bei der Regionalen Arbeitsvermittlung noch beim Sozialamt an die Reihe.
 Ein Drittel der ausgesteuerten Arbeitslosen gleitet in die Sozialhilfe ab. Diese hohe Zahl soll durch eine bessere Betreuung der betroffenen Personen gesenkt werden. Das neue Angebot in der Stadt Zürich hat Pilotcharakter für die ganze Schweiz.
 
 
 Rund 23 500Arbeitslose verzeichnet der Kanton Zürich derzeit. Ende November wird etwa ein Fünftel dieser Personen ausgesteuert, da ihr Anspruch auf Taggelder der Arbeitslosenversicherung erlischt und sie bis dahin keine neue Stelle gefunden haben. Das Ende dieser Bezugsdauer öffnet aber nicht automatisch die Tür zu einer neuen finanziellen Quelle, der Sozialhilfe. Wer über Erspartes verfügt, muss dieses zuerst bis auf 4000 Franken aufbrauchen. Erst dann darf er sich beim Sozialamt melden. Im Durchschnitt dauert dies drei Monate, im Extremfall können aber auch Jahre vergehen, während deren eine Person komplett auf sich alleine gestellt bleibt. Denn sie fällt in die Lücke zweier Systeme: Die kantonale Arbeitslosenhilfe ist nicht mehr für sie zuständig, die kommunale Sozialhilfe noch nicht.
 
Hilfe in der heiklen Phase
 
«Wer sich nach dem Verzehr des Ersparten beim Sozialamt meldet, befindet sich oft in einer persönlich schwierigen Situation, da soziale Kontakte und Tagesstruktur weitgehend verloren gegangen sind», hat Martin Waser, Sozialvorsteher der Stadt Zürich, am Dienstag vor den Medien gesagt. Dies seien denkbar schlechte Voraussetzungen für eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Deshalb haben die Stadt und der Kanton Zürich beschlossen, ein Pilotprojekt für Ausgesteuerte zu lancieren, die sich in einer solchen heiklen Phase befinden. Vorgesehen ist ein Betreuungsangebot, in dessen Rahmen zwei Fachpersonen – sogenannte Coachs – den Betroffenen eine Kombination von persönlicher Hilfe und Stellenvermittlung offerieren. Die freiwillige und kostenlose Dienstleistung kann während eines Jahres in Anspruch genommen werden. Die Kosten des Projekts belaufen sich auf 920 000 Franken, finanziert werden sie von Stadt, Kanton und Stiftungen. «Es geht nicht darum, einfach mehr Geld auszugeben, sondern wir möchten die ausgesteuerten Personen gezielt angehen und sie möglichst rasch wieder in den Arbeitsprozess zurückführen», sagte der kantonale Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker. Dadurch, dass die Arbeitslosenversicherung und die Sozialämter erstmals enger zusammenarbeiten, erhoffen sich Kanton und Stadt denn auch eine deutliche finanzielle Entlastung der Sozialhilfe. Die «massgeschneiderte Beratung» soll dazu beitragen, dass die Betroffenen in der Lage bleiben, sich weiterhin um eine Stelle zu bemühen, und so besser dem Umstand entgegengewirkt werden kann, dass ein Drittel der Ausgesteuerten in die Sozialhilfe abgleitet. Laut SVP-Regierungsrat Ernst Stocker nimmt Zürich mit der neuen Schnittstelle zwischen Arbeitslosenversicherung und Sozialhilfe in der gesamten Schweiz eine Vorreiterfunktion ein. Ähnliche Bestrebungen seien zwar auch auf nationaler Ebene in Form einer Motion in Gang, doch man wolle nicht mehr länger auf den Bund warten.
 
Unklare Erfolgsquote
 
Ob das neue Angebot allerdings auch genutzt wird, ist derzeit schwierig abzuschätzen. Bei Stadt und Kanton ist man sich bewusst, dass sich bei vielen ausgesteuerten Arbeitslosen gewisse Ermüdungserscheinungen breitmachen oder sich gar Frustration einstellt, wenn die zahlreichen Termine beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum kein fruchtbares Resultat, das heisst keine neue berufliche Anstellung, gebracht haben. Die Bereitschaft, weitere Beratungsgespräche in Anspruch zu nehmen, sinkt bei manchem Betroffenen. Dies sieht auch Edgar Spieler vom kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit nicht anders: «Irgendwann ist die Luft raus.»
 
Für SP-Stadtrat Martin Waser ist deshalb klar, dass man nicht sogleich mit der grossen Kelle anrichten will, auch wenn die Tatsache, dass die Probleme nach einer erfolgten Aussteuerung tendenziell komplexer werden, unbestritten ist. Während der zweijährigen Pilotphase, die im Januar 2013 beginnt, wird sich die Arbeit der Coachs auf das Sozialzentrum Selnau in Zürich beschränken. Diese werden eng mit den Personalberatern der beiden Regionalen Arbeitsvermittlungszentren Staffel- und Badenerstrasse zusammenarbeiten. Nach Abschluss der Versuchsphase wird eine externe Firma evaluieren, ob das Projekt «Coaching für Ausgesteuerte» die angestrebten Ziele erreicht hat. Je nach Ausgang dieser Befunde werden Stadt und Kanton Zürich entscheiden, ob das Angebot flächenmässig ausgeweitet wird oder, wie Waser sagte, «Korrekturen angebracht werden müssen».
 


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